Leitungswasser ist gut für die Umwelt – aber ehrlich gesagt auch ziemlich langweilig. Genau dieses Problem wollen zwei Berliner Gründerinnen lösen, die ihr gesamtes Branchen-Know-how in ein kleines Fläschchen gepackt haben. Am 9. März 2026 standen Madlen Baetzgen und Christina Schwörbel-Binn in der Höhle der Löwen und präsentierten Wild&Water – ein Produkt, das die Getränkeindustrie von Grund auf neu denken will.
Zwei Frauen, 30 Jahre Erfahrung, eine Idee
Wer Madlen Baetzgen (46) und Christina Schwörbel-Binn (52) zuhört, merkt schnell: Die beiden wissen, wovon sie reden. Über zwei Jahrzehnte haben sie gemeinsam in der Getränkebranche gearbeitet – unter anderem bei Coca-Cola Deutschland. Madlen war im Commercial Strategy & Channel Development tätig, Christina verantwortete Marketing, Brand PR und Sustainability. Christina ist zudem ausgebildete Sommelière und war auch bei Unilever aktiv.
Zusammen haben sie fünf Kinder. Und irgendwann reichte es ihnen.
„Uns haben die vielen Zusatzstoffe, der Zucker und der Plastikmüll gestört“, beschreiben die Gründerinnen ihre Motivation. Sie wollten nicht länger nur Nachhaltigkeit in Konzernpräsentationen managen – sie wollten selbst etwas verändern. 2024 gründeten sie die Better Day Beverages GmbH in Berlin-Karlshorst und brachten Wild&Water auf den Markt.
Die Ironie ist kaum zu übersehen: Zwei Frauen, die jahrelang für einen der größten Getränkekonzerne der Welt gearbeitet haben, gründen jetzt ein Startup, das genau das Gegenteil von dem verkörpert, womit sie groß geworden sind – weniger Plastik, weniger Zucker, weniger Künstlichkeit.
Wild and Water Erfahrungen und Kaufen
Was ist Wild and Water eigentlich?
Hier liegt das häufigste Missverständnis: Wild&Water ist kein Sirup und auch kein Flavour-Drop mit Süßstoffen. Es ist ein 100 % natürliches Tee-Extrakt-Konzentrat aus echten Tee-Extrakten, Kräutern und Früchten – hergestellt nach einem patentierten, schonenden Verfahren, das wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe erhält.
Das Prinzip ist denkbar einfach: Ein Pumpstoß (ca. 5 ml) reicht für 250 bis 500 ml Wasser. Eine 200-ml-Flasche ergibt bis zu 10 Liter fertiges Getränk. Einfach in Leitungswasser mischen – kalt, heiß, still oder sprudelnd – fertig.
Die Werte können sich sehen lassen:
- Maximal 2,4 g Zucker pro 100 ml bei intensiver Mischung – weniger als die Hälfte einer Apfelschorle
- Keine künstlichen Zusatzstoffe, keine Süßstoffe
- Vegan (bis auf „Calming Peach“ mit Honig), allergenfrei
- Nach dem Öffnen 6 Wochen haltbar bei Raumtemperatur
Aktuell gibt es vier Sorten im Sortiment:
| Sorte | Basis | Highlight |
|---|---|---|
| Wave of Lime | Schwarztee, Limette, Ingwer | Koffeinhaltig, klassischer Eistee-Vibe |
| Mate Splash | Grüne Mate, Minze, Grapefruit | Belebend, ca. 12 mg Koffein/100 ml |
| Calming Peach | Kamille, Melisse, Pfirsich, Honig | Koffeinfrei, auch für Kinder geeignet |
| Berry Breeze | Honeybush, Hibiskus, Himbeere | Fruchtig, koffeinfrei |
Der Nachhaltigkeits-Rechner: Was steckt wirklich dahinter?
Das stärkste Argument von Wild&Water ist nicht der Geschmack – es ist die Rechnung dahinter. Wer ein Getränk kauft, kauft meistens hauptsächlich Wasser. Wasser in einer Plastikflasche, die produziert, befüllt, transportiert und entsorgt werden muss.
Wild&Water dreht dieses Modell um: Das Wasser kommt aus dem Hahn. Das Konzentrat wird hochkomprimiert geliefert. Das Ergebnis laut den Gründerinnen: bis zu 80 % weniger CO₂-Fußabdruck im Vergleich zu herkömmlichen Fertiggetränken in PET-Flaschen.
„Überzuckerte Fertiggetränke in Plastik passen nicht mehr in unsere Zeit“, bringen die beiden ihre Mission auf den Punkt.
Das ist keine leere Phrase, sondern ein Markt-Trend, der gerade Fahrt aufnimmt. Plastikverbote, Zuckersteuer-Debatten, wachsendes Verbraucherbewusstsein – Wild&Water trifft einen Nerv, der gerade besonders empfindlich ist. Zum Vergleich: Produkte wie Waterdrop verfolgen einen ähnlichen Ansatz, setzen aber auf Tabletten mit Süßstoffen und künstlichen Aromen. Wild&Water positioniert sich bewusst als clean-label-Alternative – etwas, das Verbraucherzentralen und gesundheitsbewusste Konsumenten zunehmend einfordern.
Der DHDL-Auftritt: Kein Deal – und trotzdem ein Gewinn
In Staffel 19, Folge 3 (9. März 2026, vorab auf RTL+) pitchten Madlen und Christina vor den Löwen. Ihr Angebot: 150.000 Euro für 10 % Unternehmensanteile – eine Bewertung von 1,5 Millionen Euro.
Die Löwen zogen nicht mit. Kein Deal.
Aber wer die Geschichte der Höhle der Löwen kennt, weiß: Kein Deal ist nicht das Ende. Oft ist es der Anfang. Die TV-Präsenz allein erzeugt eine Reichweite, die kein Marketing-Budget eines Startups in dieser Größe erreichen könnte. Suchvolumen explodiert, der Online-Shop läuft heiß, B2B-Anfragen häufen sich.
Christina bringt die B2B-Strategie auf den Punkt: „Wir sehen den Arbeitsplatz als Schlüsselbereich für nachhaltige Getränkealternativen.“ Und die Pilotdaten geben ihr recht: In bisherigen Büro-Piloten vergaben 96 % der Tester eine positive Geschmacksbewertung, 88 % wollten Wild&Water dauerhaft in ihrem Büro haben. Das sind Zahlen, mit denen sich arbeiten lässt.
Für wen ist Wild&Water gedacht?
Wild&Water adressiert ein Problem, das erstaunlich weit verbreitet ist: 80 % der Menschen trinken im Alltag zu wenig. Leitungswasser ist zwar vorhanden, aber der Griff zur Wasserflasche bleibt aus – weil es schlicht weniger verlockend ist als ein Getränk mit Geschmack.
Genau hier setzt das Produkt an. Besonders im B2B-Bereich sehen die Gründerinnen das größte Potenzial: Büros, Arztpraxen, Jugendzentren. Ein Display mit tropffreien Pumpen in der Teeküche, befüllt mit vier Sorten – und das Hydrationsproblem ist auf nachhaltige, günstige und leckere Weise gelöst.
Das Probierpaket mit vier Flaschen kostet rund 39,90 Euro und ergibt 40 Liter Getränk – für ein Büro mit 30 bis 40 Personen reicht das ein bis zwei Wochen. Im Vergleich zu Flaschen oder Kapseln eine deutlich günstigere und umweltfreundlichere Lösung.
Natürlich funktioniert Wild&Water auch zu Hause – für alle, die Lust auf Abwechslung am Wasserglas haben, ohne auf Zusatzstoffe oder Plastik zurückgreifen zu wollen.
Was kommt als Nächstes?
Trotz des ausgebliebenen Löwen-Deals ist die Zukunft von Wild&Water keineswegs düster – im Gegenteil. Das Startup hat in kurzer Zeit bereits beachtliche Aufmerksamkeit gesammelt: Auftritte auf der Internorga 2025, der Grünen Woche (mit RBB-Interview), beim Business Angels Club Berlin-Brandenburg sowie eine Nominierung als Newcomer Food Innovation.
Nach dem DHDL-Exposure dürfte die nächste Phase eingeläutet sein: Skalierung im B2B-Bereich, weiteres Wachstum im Online-Shop, möglicherweise neue Sorten oder Märkte.
Madlen fasst die Vision so zusammen: „Leitungswasser ist nachhaltig, aber oft langweilig – Wild&Water bringt Geschmack ohne Kompromisse.“
Das klingt simpel. Aber manchmal sind die simpelsten Ideen die stärksten – besonders wenn dahinter 30 Jahre Branchenwissen stecken.
Fazit: Kein Deal, aber eine starke Marke
Wild&Water hat in der Höhle der Löwen keinen Investor gefunden. Aber das Produkt spricht für sich, die Zahlen aus den Piloten sind überzeugend, und der Zeitgeist spielt den Gründerinnen eindeutig in die Karten.
Zwei Frauen, die Coca-Cola von innen kannten und trotzdem den Mut hatten, alles neu zu denken – das ist eine Geschichte, die bleibt.
Probieren? Alle Produkte und das Büro-Display gibt es direkt auf wildandwater.de.
Alle Angaben basieren auf öffentlich verfügbaren Quellen (Stand März 2026): wildandwater.de, DHDL Staffel 19, about-drinks.com, BZ Berlin, LinkedIn-Profile der Gründerinnen.